Zwischen zwei Welten: Grenzübertritt von México nach Guatemala
- Going Somewhere
- 31. Aug. 2023
- 7 Min. Lesezeit
Tapachula, Chiapas, Mexico
Verfasserinnen: Ana & Eva Datum: 18.03.2023
Datum: 31.08.2023
Ana:
Grüße aus Kolumbien! Wir sind mittlerweile seit 3 Monaten im Land und haben nur noch wenige Tage von unserem Visum übrig. Da wir also in ein paar Tagen den Grenzübertritt nach Ecuador wagen (dieses Mal erstmalig mit eigenem Auto), dachte ich mir, wir könnten euch ein bisschen etwas über unseren ersten Grenzübertritt nach Guatemala erzählen.
Als letzten Stopp in Mexiko haben wir Tapachula gewählt, weil es die letzte große Stadt vor der Grenze ist. Hier hatten wir eine gute Verbindung zur Grenze und die Möglichkeit noch einige Besorgungen zu machen. Tapachula an sich ist im Vergleich zu Mexiko-Stadt, von wo aus wir gestartet sind, ein Dorf. Mit knapp 400.000 Einwohnern jedoch immer noch relativ groß. Die Stadt an sich hatte nicht viel zu bieten, weswegen wir uns lieber in Richtung Pazifikküste aufmachten, die nur eine halbe Stunde Fahrzeit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln entfernt lag. Es war ein kleiner Strand, der in einem noch kleineren und ärmlichen Dorf lag. Wir fühlten uns ein bisschen fehl am Platz, aber unseren ersten Pazifikstrand wollten wir uns nicht nehmen lassen. Es gab sogar eine ca. 4 Meter hohe Steinmauer, um den Strand vor zu großen Wellen zu schützen. Natürlich mussten wir diese erklimmen, um uns in der Gischt nicht den genialen Ausblick auf den Ozean entgehen zu lassen.

Eva:
Nachdem wir ein letztes Mal in Mexiko unsere Rucksäcke gepackt und gefrühstückt hatten, machten wir uns auf den Weg nach Guatemala. Uns war schon bewusst, dass es ein aufregender Tag werden würde, aber das hatte ich nicht erwartet.
Zuerst fuhren wir mit einem Taxi zu einer Busstation, von der Busse nach Ciudad Hidalgo fahren, eine Stadt, die es sowohl auf mexikanischer Seite (Ciudad Hidalgo) als auch auf guatemaltekischer Seite (Ciudad Tecún Umán) gibt und die von einem Fluss getrennt wird. Um in Guatemala nicht ohne Bargeld dazustehen, ging es nochmal fix zu einer Wechselstube, wo wir unsere letzten mexikanischen Pesos und ein paar Euro in guatemaltekische Quetzals umtauschten. Leider erfuhren wir erst nach dem Umtausch von einer netten Frau, dass es eine Wechselstube nicht weit weg mit einem besseren Kurs gibt, aber was soll's.
Zurück an der Busstation wurden wir nett empfangen und in einen Bus platziert, der völlig leer war. Hier ist es üblich, dass man eine Weile warten muss, bis genug Leute im Bus sind, damit sich die Fahrt für den Fahrer auch lohnt. Nach einer halben Stunde ging es dann los Richtung Hidalgo. Die 40-minütige Fahrt war meiner Meinung nach echt aufregend, aber ich hatte auch den Platz mit guter Sicht auf die Straße. In Mexiko hat man normalerweise zwei Fahrstreifen, einen pro Richtung. Da die Seitenstreifen jedoch oft von kleinen Fahrzeugen (Motorrädern, Fahrrädern und Rikschas) genutzt werden und zwischen den beiden Hauptfahrstreifen oft noch eine Überholspur entsteht, hat man statt 2 oft auch mal 5 Spuren. Damit es nicht langweilig wird, wird die Überholspur natürlich aus beiden Fahrtrichtungen genutzt. Unser Busfahrer war ziemlich zügig unterwegs und recht stur, sodass wir teilweise mit 100 km/h auf der Überholspur direkt auf ein Auto zugerast sind, das ebenfalls überholte. Naja, die meisten Menschen hier können den Verkehr gut einschätzen, und wir haben es überlebt, aber das Gefühl, man würde gleich draufgehen, bleibt auf jeden Fall nicht aus.
In Ciudad Hidalgo saßen mehrere Frauen mit fetten Geldbündeln in der Hand an der Straße und fragten uns, ob wir Quetzals brauchen. Das Umtauschen auf der Straße wäre also auch eine Möglichkeit gewesen. Als nächstes machten wir uns auf die Suche nach dem „Oficina Migración México“. Da Google Maps mal wieder keine zuverlässige Wegbeschreibung parat hatte, mussten wir uns ein bisschen durchfragen, aber die Menschen waren alle sehr hilfsbereit und haben uns gezeigt, wo wir hinmüssen. Im Migrationsbüro angekommen, wurde unser Tourismusvisum für Mexiko mit einem Stempel im Pass beendet. Wir dachten eigentlich, wir würden auch einen Stempel für Guatemala bekommen, aber logischerweise sollten wir uns den auf der guatemaltekischen Seite der Stadt holen. Ohne Aufenthaltsgenehmigung für eines der beiden Länder ging es also weiter. Wir wurden zu einem Drehkreuz geleitet, an dem wir nochmal 5 Pesos pro Person zahlen mussten, um über die Brücke zwischen Mexiko und Guatemala zu gehen. Wir liefen also ca. 10 Minuten zu Fuß über die Grenze und wurden auf der anderen Seite wieder in ein kleines Büro verwiesen. Dort mussten wir den klassischen Papierkram ausfüllen und erhielten ein 90-tägiges Tourismusvisum. Wir waren echt glücklich, dass wir die vollen 90 Tage bekamen, aber der nette Mann von der Grenzkontrolle erklärte uns direkt, dass die 90 Tage nicht nur für Guatemala, sondern auch für El Salvador, Honduras und Nicaragua zählen. Drei Monate für vier Länder sind gar nicht so viel, aber das ist Zukunftsevas und Zukunftsanas Problem.

Als wir aus dem kleinen Büro auf guatemaltekischen Boden traten, kamen sofort vier Männer auf uns zu, die alle wild auf uns einredeten. Einer von ihnen wollte uns die ganze Zeit Quetzales andrehen und einfach nicht verstehen, dass wir schon welche hatten und keine mehr von ihm brauchten. Die anderen drei Männer waren Rikschafahrer, die Geld an uns verdienen wollten. Es war bereits 13 Uhr, und wir mussten noch nach Quetzaltenango aka Xela kommen, wo wir für den Abend unsere Unterkunft gebucht hatten. Also fragten wir die Fahrer, wo das Busterminal sei, aber sie sagten nur, sie würden uns hinfahren. Ohne Internet und mit ein bisschen Zeitstress entschlossen wir uns nach langen Preisverhandlungen dazu, uns von ihnen fahren zu lassen. Statt 60 Quetzales (ca. 7€) pro Person konnten wir sie auf 20Q (ca. 2,50€) pro Person herunterhandeln. Dann wurden unsere Rucksäcke und wir in eine Rikscha verfrachtet und mit Schrittgeschwindigkeit ca. 15 Minuten zum Busterminal gefahren. Wenn wir gewusst hätten wohin, hätten wir die Strecke auch ohne Probleme laufen können.

Am Busterminal rannten uns die Busfahrer bereits entgegen und packten mich am Arm, während wir noch in der Rikscha saßen. Da wir unsere Rucksäcke nicht aufhatten, versuchten alle, uns unser Gepäck abzunehmen und uns in ihren Bus zu schieben. Ich musste erst sehr deutlich allen Nein sagen und dass sie unser Gepäck nicht nehmen sollen, bis uns nur noch Preise entgegengeschrien wurden. Auch hier wurden utopische Touristenpreise von uns verlangt (umgerechnet ca. 15€ pro Person), die wir ablehnten, bis ein Fahrer uns anbot, uns für 2,50€ mit nach Coatepeque zu nehmen, was sich auf halber Strecke nach Xela befindet. Bei ihm luden wir unsere Rucksäcke in den Kofferraum und setzten uns in einen leeren Bus. Uns war klar, dass wir jetzt noch eine Weile warten müssten, bis es losgeht, aber gleichzeitig waren wir sehr froh, dass das Anstrengendste geschafft war, dachten wir. Nachdem wir ca. 100 m weitergefahren waren, hielten wir wieder für eine Weile an, und unser Fahrer versuchte, weitere Fahrgäste zu finden. Plötzlich sah ich einen Guatemalteken mit Anas Rucksack auf dem Arm. Ana sprang auf und wollte sich seinen Rucksack zurückholen, wir wussten gar nicht, was abging. Als Ana seinen Rucksack zurückergattert hatte und wir überprüft hatten, dass meiner noch im Kofferraum war, kam unser Busfahrer zurück und fuhr uns wieder 100 m weiter. Dabei erklärte er uns, dass er heute nicht mehr nach Coatepeque fahren würde, weil er nicht genug Fahrgäste gefunden hatte. Er setzte uns bei einem Bus ab, der die Strecke für den gleichen Preis fuhr. Es gibt bei solchen Bussen immer den Fahrer und eine Person, die alles koordiniert. Das heißt, die Person steht an der Schiebetür und schreit an den verschiedenen Stopps das Ziel des Busses herum, sammelt die Fahrgäste ein, lässt sie aussteigen und kassiert ab. Dieser Helfer bei dem neuen Bus war die Person, die vorher Anas Rucksack aus dem Kofferraum geholt hatte, und damit löste sich das Missverständnis dann auf. Es war also nie böse gemeint, aber da in diesem Rucksack einfach alles ist, was Ana besitzt, wäre es besser gewesen, uns vorher Bescheid zu sagen. Ana hat sich während der Fahrt dann nochmal bei ihm entschuldigt, und die beiden haben geplaudert. Ich war während der einstündigen turbulenten Fahrt damit beschäftigt, meinen Rucksack auf meinem Schoß unter Kontrolle zu halten und dabei nicht die kleine Dame rechts neben mir zu zerquetschen.
In Coatepeque wurden wir aus dem Bus geworfen und bekamen noch eine grobe Richtung, in der wir den nächsten Bus nach Xela finden würden. Wir liefen also los, und man kann sich wirklich darauf verlassen, dass man angesprochen wird, gefragt wird, wo man hinwill, und entweder eine grobe Richtung gezeigt bekommt oder eine Weile zu Fuß oder mit dem Rad begleitet wird, bis feststeht, dass man nicht mehr falsch abbiegen kann. Dieses Mal hat uns ein netter alter Mann am falsch Abbiegen gehindert und uns in die richtige Straße gelotst. Auf halbem Weg kam ein anderer Mann auf uns zu, der uns dann in den richtigen Bus setzte. Ein Chickenbus, also ein alter amerikanischer Schulbus, der bunt angemalt war, wird hier in Guatemala genutzt, um Menschen und Tiere relativ günstig von A nach B zu transportieren. Wir saßen über eine Stunde im Bus, bis es endlich losging. Die Fahrt war super! Wir hatten beide eine Bank für uns und konnten unsere Rucksäcke neben uns verstauen. Außerdem fuhren wir durch richtigen Urwald. Es wurde zwar arschkalt, aber die Aussicht war fantastisch!

Um 18:30 Uhr kamen wir dann endlich in Xela an. Wir hatten um 8 Uhr das letzte Mal etwas gegessen und waren beide einfach nur fertig und froh, endlich da zu sein. Es stand nur noch eine halbe Stunde Fußweg zu unserer Unterkunft an. Auf dem Weg kamen wir an einer Pommesbude vorbei, und mein Hunger hat es einfach nicht zugelassen, vorbeizulaufen. Nach der kleinen Stärkung ging es weiter zu unserem Host. Er holte eine Frau, die uns zu unserer Unterkunft brachte, eine schöne Wohnung mit 5 Zimmern, Wohnzimmer, Bad mit nicer Dusche, Küche und Dachterrasse. Nachdem sie uns alles gezeigt hatte und uns die Schlüssel gab, wollte sie die Miete für die 5 Tage. Wir wussten, dass man in Guatemala fast alles mit Bargeld zahlt, aber dass wir auch die Unterkünfte bar zahlen müssen, überraschte uns dann doch etwas. Wir gaben ihr alles Bargeld, was wir noch hatten, und versprachen, den Rest morgen vorbeizubringen, was zum Glück kein Problem war. Einfach glücklich, nach diesem ereignisreichen Tag heil und mit vollständigem Gepäck in Guatemala angekommen zu sein, ging es für uns nur noch ins Bett.
to be continued...
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