Xela: dreckige Stadt in schönster Natur
- Going Somewhere
- 11. Sept. 2023
- 4 Min. Lesezeit
Xela/Quetzaltenango, Guatemala
Verfasserin: Eva
Datum: 18.03.23
Ein neues Land bringt immer wieder neue Herausforderungen mit sich. Wo kann man Lebensmittel kaufen? Welche Bank bietet den besten Wechselkurs an? Welcher Netzbetreiber hat die beste Netzabdeckung im Land und das beste Preis-Leistungs-Verhältnis? Wie kommt man von A nach B? Was wollen wir von dem Land überhaupt sehen? Deshalb haben wir in Xela 8 Nächte gebucht, um erst einmal in Guatemala anzukommen und diese ganzen Fragen zu klären.
Am ersten Tag haben wir schön ausgeschlafen und uns danach erst einmal um das Organisatorische gekümmert: Lebensmittel besorgen, Geld abheben, Wäsche waschen, Simkarte kaufen und mal durch die Stadt schlendern. Das Geld abzuheben war etwas schwieriger als gedacht, da die Bankautomaten, die Google Maps anzeigt, nicht existierten. Zum Glück sind die Guatemalteken extrem hilfreiche Menschen, weshalb es mit etwas Rumfragen dann sehr einfach war, alles zu finden. Bei der Simkarte sind wir dann allerdings gescheitert, da man in Guatemala den Reisepass braucht, den wir leider beide nicht dabei hatten. Der erste Eindruck von Xela war ein bisschen überfordert, denn die Stadt ist voll mit Chickenbussen, die extrem schwarze Abgase ausspucken und die Luft teilweise unerträglich machen. Die Natur um Xela herum allerdings soll sehr beeindruckend sein, weshalb wir uns dazu entschieden haben, in den nächsten Tagen auf drei Wanderungen zu gehen.
Die erste Wanderung ging zum Cerro el Baul, einem Berg in Xela. Ich war überrascht, wie schnell ich außer Puste war, obwohl der Aufstieg nur eine Stunde dauerte, aber Xela liegt auf 2234 m Höhe und da ist das Atmen eh ein bisschen anstrengender. Oben angekommen genossen wir die Aussicht über die Stadt. Auf dem Gipfel befand sich ein Park, in dem viele Einheimische Fußball spielten und es gab Geräte für Outdoor-Sport. Ana und ich kletterten also ein bisschen an den Stangen herum und fanden außerdem eine relativ lange Rutsche aus Stein, die vier Spuren nebeneinander hatte. Kinder rutschten dort auf Pappkartons runter, und das wollte ich mir auf jeden Fall nicht entgehen lassen. Man ist echt schnell geworden, aber nach zweimal Rutschen haben wir die Kinder dann wieder in Ruhe gelassen.

Bei der zweiten Wanderung bestiegen wir den Vulkan Chikabal. Es handelt sich dabei um einen nicht mehr aktiven Vulkan, in dessen Krater sich ein See gebildet hat. Dieser See, auch "Laguna Chikabal", ist für die Maya ein heiliger Ort, an dem viele Zeremonien stattfinden und Opfergaben platziert werden. Die 8 km lange Wanderstrecke war super schön, es hat sich angefühlt, als wären wir mitten im Dschungel. Nach zwei Stunden Aufstieg waren wir endlich am Aussichtspunkt und konnten in den Kratersee schauen. Die Stimmung war mystisch, weil die Wolken sich über den Rand des Vulkans hinunter zum See schoben und man von unten Gesänge und Getrommel hörte. Wir stiegen gefühlt 1000 Treppenstufen hinunter und setzten uns an den See, um die Atmosphäre zu genießen. Neben uns war eine Gruppe Guatemalteken, die ein Feuer machten, kochten und sangen. Der Rückweg war ein extrem schmaler Pfad durch den Dschungel und für mich das coolste Stück der ganzen Wanderung, denn wir mussten unter Baumstämmen und zusammengewachsenen Pflanzen durchkriechen. Auch wenn wir uns teilweise nicht sicher waren, ob es der richtige Wanderweg ist, hat es sehr viel Spaß gemacht, richtig im Dschungel zu versinken.

Für die dritte Wanderung haben wir uns den "Mirador Volcán Santiaguito" ausgesucht. Der Santiaguito ist ein relativ neuer und kleiner Vulkan, der mehrfach am Tag ausbricht. Die Ausbrüche sind nur klein und können von dem Aussichtspunkt auf dem Santa Maria Vulkan, zu dem wir wandern wollten, beobachtet werden. Als wir die 8 km lange Wanderung starten wollten, kam uns eine süße Hündin entgegen und begrüßte uns ganz freudig. Wir streichelten sie, und dann begleitete sie uns die gesamte Wanderung. Die Wettervorhersage für den Tag war ziemlich schlecht, aber bisher hat es oft schlechte Vorhersagen gegeben, die nicht eingetroffen sind, weshalb wir es ignoriert haben. Als uns ein Einheimischer entgegenkam und uns vorwarnte, dass es auf dem Berg regnen und gewittern würde, hätten wir das wohl ernst nehmen sollen, aber ich wollte unbedingt diesen Vulkan ausbrechen sehen. Es kam, wie es kommen musste, und das Wetter wurde schlechter, je näher wir dem Ziel waren. Da der Regen sich in Hagel verwandelte, brachen wir die Wanderung ab. Klitschnass versuchten wir, uns nicht die Laune verderben zu lassen, machten uns Musik an, sangen ein bisschen mit und genossen die frische kalte Luft, die der Regen mitbrachte.

Da wir eine Weile in Xela waren, sind wir nicht nur gewandert. Die Stadt ist auch sehr schön und hat viel zu bieten. Abgesehen von einer super Bäckerei, die wir sehr genossen haben, gibt es mehrere große Märkte, auf denen man sich in den engen Gassen zwischen den ganzen Ständen richtig verlaufen kann. Besonders ohne Orientierungssinn ist das gar nicht schwer. Es gibt massenweise Obst, Gemüse, Gewürze, Fleisch aller Art, Schuhe, Kleidung, Kerzen, Elektronik (z. B. ein Stand nur mit Fernbedienungen), Spielzeug, Schmuck, traditionelle Kleidung, Utensilien für Riten, gebrannte DVDs, Tiere und so weiter. Man kann ewig über diese Märkte laufen und immer noch etwas Neues entdecken. Außerdem gibt es in der Stadt einen großen Friedhof, den "Cementerio General". Die Grabbräuche sind hier ganz anders als bei uns, denn der Friedhof ist kunterbunt.

Den letzten Tag in Xela haben wir genutzt, um zu den heißen Quellen zu fahren, und das war der beste Abschluss überhaupt. Die Quellen bestanden aus drei Becken mit dampfendem Wasser, und überraschenderweise waren wir die einzigen Touristen. Das Wetter war ziemlich schlecht, was das Gefühl, in das heiße Wasser zu steigen, umso schöner machte. In den Wänden gab es kleine Löcher, aus denen extrem heißes Wasser heraus sprudelte, und die Aussicht aus den Becken war extrem grün. Auf dem Weg nach Hause hat es wieder geregnet, und wir wurden glücklicherweise von zwei Motorradfahrern eingesammelt und bis zur nächsten Busstation gebracht. Die Guatemalteken sind einfach ein freundliches Volk!
to be continued...
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